Die Pläne von Fishtown-Polesetter Thilo Günther

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Thilo Günther begann die Rennaction des 59. Fischereihafenrennens in Bremerhaven mit einer Doppel-Pole. Sowohl bei den Superbikes als auch in der Twin- und Triple-Klasse konnte sich der Bielefelder auf die erste Position schieben. Wir haben mit ihm über seinen Einsatz mit Wunderlich-BMW und die aktuelle Situation gesprochen.

Thilo, kannst Du uns erzählen, was sich für Dich dieses Jahr alles ändert?

Ja sicher. Vielleicht wissen es noch nicht alle, aber bei der IRRC in Frohburg im letzten September hatte mein Bruder direkt hinter mir einen schlimmen Unfall und die Folge daraus ist, dass er querschnittsgelähmt ist. Zur Zeit ist er auch noch in der Reha in Bonn. Wir besuchen ihn natürlich so oft es geht und waren auch schon zwei- dreimal zusammen unterwegs, am Nürburgring zum Beispiel, aber es ist noch ein langer Weg, bis er wieder selbstständig ist. Zum Glück kann er seine Arme bewegen und ist auch vom Kopf her schon gut drauf im Großen und Ganzen. Allerdings ist er noch sehr schwach. Ich denke aber, dass nicht jeder so einen starken Support wie von der Website der Kumpels “The next race we start together” hat. Das ist eine tolle Sache. Wir alle helfen wo wir können. Letztlich muss er aber das meiste alleine schaffen und für jemanden mit so einer Diagnose ist das nicht einfach. Ich glaube, da kann man sich eigentlich gar nicht so hinein fühlen.

 

Wenn man an die Leidenschaft denkt, die Ihr immer in all Eure Rennstreckenaktivitäten gesteckt habt…

Wir fahren alle drei zusammen seit dem wir drei sind. Wenn man sich jetzt Fotos und Videos anguckt – wir waren ja immer ungefähr gleich schnell – dann fließen da auch schon mal Tränen. Das wird wahrscheinlich auch noch länger so sein. Was zu keinem Zeitpunkt Thema war, war die Frage, ob wir jetzt keine Rennen mehr fahren. Vielleicht etwas weniger, aber so was wie das Fischereihafenrennen machen wir auf jeden Fall. Dass es gefährlich ist, weiß ja jeder.

Hier bist Du jetzt nur mit Wunderlich am Start. Was machst Du sonst noch?

Ich würde ganz gerne nach Froburg fahren und Moritz würde gern auch mitkommen. Ich möchte auch starten, denn das letztes Jahr war ein Rennunfall, der überall passieren kann. Wir sind da nicht abergläubisch oder derartiges. Dann würde ich auch gern nach Telicko zur goldenen Grubenlampe, weil ich da in den letzten Jahren immer eingeladen wurde und es eine supergeile Veranstaltung ist. Das sind die Pläne zusammen mit ein Paar Präsentationsevents in Kooperation mit Wunderlich.

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Und Du fährst jetzt BMW?

Ja für mich gibt es jetzt keine Kawasaki mehr. Das hat aber nichts mit dem Unfall von meinem Bruder zu tun, sondern eher mit Themen wie Hauskauf und Familie. Der Weg wäre ohnehin Richtung Wunderlich gegangen. Im Grunde ist das hier ein echter Traum. Ich bin ja nur Hobbyfahrer und kann umsonst die geilsten Motorräder fahren. Wir kommen einfach sehr gut klar. Ich mache für Frank Fotosachen und teste. So arrangiert man sich.

Konntest Du denn vor dem Fischereihafenrennen noch testen? Sonst warst Du hier ja nur mit der 1200 unterwegs, jetzt zusätzlich mit der 1000er BMW?

Mit der 1200er bin ich letzte Woche schon etwa 1500 km gefahren. Das war super. Mit der S1000 RR war ich vor ein Paar Wochen auf dem Nürburgring. Das war aber ein bisschen wenig und da fühle ich mich auch noch nicht so wohl. Das spiegeln auch die Zeiten wider, die längst nicht so hoch sind wie mit der Kawa. 

Ist das Fahrgefühl auch ein anderes im Vergleich zur Kawasaki?

Ja, die BMW hat mehr Bums (lacht).

Ist diese Teamsituation hier in Bremerhaven für Dich sorgenfreier?

Naja, was heißt sorgenfreier…Ich habe jetzt viele Leute, die an meinem Motorrad herumschrauben, was ich früher selbst gemacht habe.

Du schwörst auch immer noch auf Motocross-Lenker?

Ja logisch, ich fahre zweimal die Woche bei uns Enduro und das ist einfach viel geiler. Ich bin vielleicht nicht der schnellste, aber ich habe Spaß dabei, wenn ich dann auch noch Wheelies und Stoppies machen kann.

Ist Spaß beim Fischereihafenrennen für Dich jetzt im Vordergrund?

Auch, aber ich möchte gewinnen. Wenn man die Möglichkeit hat zu gewinnen, sollte man das auch wollen. 

Wen siehst Du dieses Wochenende als schwierigsten Konkurrenten?

Dadurch, dass Thomas Kreutz, Toni Heiler und Julian Neumann nicht dabei sind, ist das Fahrerfeld automatisch ein kleines bisschen schlechter aber ich war eben wieder erstaunt, wie schnell Stefan Merkens mit seinem 30 Jahre alten Apparat ist (lacht). 

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Text: Dominik Lack

Fotos: Christoph Siegel

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