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Der Faktor Kopf: Mentalcoach Markus Bauchrowitz im Interview

Im Motorsport wird dem mentalen Aspekt häufig wenig Beachtung geschenkt. Zu oberflächlich werden sportliche Erfolge und besonders Misserfolge behandelt. Dass hinter einem Leistungstief mehr steckt, als auf den ersten Blick sichtbar ist, erklärt uns in einem Exklusivinterview Markus Bauchrowitz.

Der Bielefelder arbeitet als Mental-Coach mit den Bielefeld Bulldogs (American Football), dem Hamburger Segel-Club, mit Danger_Racing in der FIM Super Mono EM, den amtierenden deutschen Kunstradmeisterinnen Rieke Manthey und Neue Hahn sowie dem internationalen Deutschen Meister – ausgetragen auf der Kieler Woche – in der ORC III- Klasse zusammen. Dazu betreut er noch einige Fahrer der Super Duke Battle.

Was genau kann man sich unter der Arbeit eines Mental-Coachs vorstellen?

Der Mental-Coach hilft Sportlern, aber auch Menschen wie Dir und mir, die Leistung, die sie sich vornehmen gut und blockadenfrei zu bewältigen.

In wiefern unterscheidet sich die Arbeit im Motorsportbereich von anderen Sportarten?

Die unterscheidet sich grundsätzlich gar nicht. Nur die Stressfaktoren, die im Motorsport bestehen, sind andere im Vergleich z.B. zum American Football, wo ich auch tätig bin.

Wie sieht die Arbeit vor Ort aus?

Die Arbeit vor Ort sieht so aus, dass – und das habe ich zum Beispiel auch mit Frank Brüntrup in der letzten Saison viel gemacht – wir mit einem Test herausfinden, ob sich der Sportler mental und körperlich überhaupt in der Lage sieht, die Leistung im Training und auch im Rennen optimal abzurufen.

Wie viel ist denn beim Sport generell „Kopfsache“?

Ich denke wir sehen im Augenblick sehr eindrucksvoll, dass der Faktor Kopf eine Rolle spielt, wenn wir uns die Fußball-Bundesliga anschauen und da eine Mannschaft wie etwa Borussia Dortmund sehen. Wir wissen alle, dass das gute Fußballer sind. Dennoch sind sie grade nicht in der Lage, ihre Leistung abzurufen. Da sind Stressfaktoren im Spiel, die dazu führen, dass der Erfolg nicht abgeliefert werden kann: Wenn ich zum Beispiel als Sportler lese, dass das gestern wieder ein schlechtes Spiel war und ich seit 700 Spielminuten ohne Torerfolg bin, wächst der Druck immer weiter.

Kann man sagen, dass sich ohne eine gewisse Basis nicht mehr viel zum Positiven verändern kann?

Doch natürlich. Irgendwann kann man sagen, dass Zeit alle Wunden heilt und auch der Glücksfaktor eine Rolle spielen kann. Dann kann es sein, dass wenn ich etwa auf meine Lieblingsrennstrecke komme, wo es in der Vergangenheit immer geklappt hat, sich der Erfolg wieder einstellt.

Gibt es eine Übung oder einen Grundgedanken, den jeder Sportler beherzigen kann? Eine Art Universalwerkzeug?

Es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, den Kopf “frei” zu bekommen. Was ich auch mit Frank Brüntrup mache ist, dass ich spezielle Phasen des Schlafes nachstelle. Dazu winke ich mit schnellen Bewegungen vor den Augen der Person (sogenannte “Wingwave-Technik”). Das machen wir an der Rennstrecke vor den Qualifyings oder Rennen. Im Grunde geht es darum, vergangenen Stress, der bei uns gespeichert ist, zu verarbeiten. Das macht man im Schlaf mit Augenbewegungen. Diese führen dazu, dass sich eine blockierende Emotion auflösen kann.

Wenn ich mit Sportlern arbeite, imitiere ich das letztendlich mit der Bewegung meiner Finger vor den Augen der Personen, die ihnen dann mit ihrem Blick folgen. Das heißt ich brauche einen Impuls für das Gehirn, der eine wechselseitige Stimulation der linken und rechten Gehirnhälfte bewirkt.Was jeder Sportler für sich tun kann ist nach Möglichkeit viel schlafen. Wir haben im Schlaf mit der REM-Schlafphase eines der erfolgreichsten Stressbewältigungswerkzeuge in uns, das es gibt.

Wer mehr über die Arbeit von Markus Bauchrowitz erfahren oder dessen Dienste in Anspruch
nehmen möchte, findet [hier] den Kontakt.



Text und Interview: Dominik Lack

Foto: Markus Bauchrowitz





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