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MotoGP: Das Ringen um den Sachsenring wird zum Kampf einer ganzen Region


Während am Sachsenring die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, damit in einer Woche der Pramac Motorrad Grand Prix Deutschland reibungslos über die Bühne gehen kann, sorgt eine Pressemitteilung aus München heute für die nächste Hiobsbotschaft: 2019 gibt es keinen Motorrad WM-Lauf auf dem sächsischen Kurs! Zumindest, wenn es nach der Meinung des ADAC München geht.

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“Die SRM hat den Vorschlag leider nicht angenommen”, zitierten im Minutentakt Presseportale und Onlinemedien am späten Nachmittag und bezogen sich damit auf den Inhalt eines Statements des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs. Dieser hatte kürzlich  die sächsische Staatskanzlei und die Sachsenring Rennstrecken Management GmbH zu einem Gespräch eingeladen und beiden Parteien basierend auf dem bisherigen Vertrag ihren Vorschlag unterbreitet, wie die Zusammenarbeit auf dem Sachsenring aus ihrer Sicht fortgesetzt werden könnte.

Dass der ADAC den diesjährigen Veranstalter des deutschen GP-Laufes mit solchen Schlagzeilen, eine Woche vor dem stattfindenen diesjährigen WM-Lauf, in keinem guten Licht dastehen lässt, steht außer Frage. Was jedoch genau Bestandteil des Angebotes gewesen ist, darüber schweigt sich der ADAC aus und lässt damit erneut Raum für vielerlei Spekulationen in den Sozialen Medien und der Tagespresse.

Letztenendes wird es dabei jedoch wie so meist um Geld und Verantwortlichkeiten gehen und während sich der ADAC München auf die Suche nach einem neuen Austragungsort für 2019 macht, wirkt man bei der Sachsenring Rennstrecken Management GmbH heute regelrecht fassungslos über den Abbruch der Verhandlungen.  “Die Entscheidung des ADAC, die MotoGP im Jahr 2019 nicht am Sachsenring stattfinden zu lassen, bedauern wir sehr,” so die SRM heute.

“Der einseitig durch den ADAC erfolgte Abbruch der seit Wochen laufenden Gespräche zwischen der SRM GmbH und dem ADAC überrascht uns sehr. Obwohl bisher nicht zu allen Punkten eine Einigung erzielt werden konnte, waren die SRM GmbH und die Sächsische Staatskanzlei zuversichtlich, zusammen mit dem ADAC eine einvernehmliche Lösung für eine Fortsetzung des MotoGP auch im Jahr 2019 am Sachsenring zu finden”, heißt es seitens der SRM weiter. 

Lange Gesichter gab es demnach auch bei den Sachsenring-Befürwortern und Freunden des Zweiradsportes. Katerstimmung macht sich breit. Doch die Region hält weiter an ihrem Sachsenring fest und zeigt sich kämpferisch. “Meine größte Befürchtung wäre, dass wenn wir den Sachsenring nicht mehr haben, dadurch ein GP in Deutschland komplett wegfällt!”, so Ron Richter Shopbetreiber am Sachsenring kürzlich gegenüber der Regionalpresse.

“Der Sachsenring war schon immer Bestandteil meines Lebens. Besonders an die ersten Jahre als Kind erinnere ich mich sehr gern. Auch als Firma ist der GP natürlich für uns wichtig, da wir die Möglichkeit haben, uns internationalen Rennfans zu präsentieren. Doch der Sachsenring hebt sich vor allem durch seine Stimmung ab! „Zu Gast bei Freunden“ wird hier ohne Aufforderung jedes Jahr gelebt!”

Gastfreundschaft, Fannähe, Heimatliebe – Worte mit denen auch Florian Prüstel, Geschäfstführer bei Prüstel GP, den WM-Zirkus bis heute verbindet. Vater Ingo Prüstel betreibt eine international operierende Spedition ganz in der Nähe des Kurses und avancierte 2016 vom Teamsponsor zum heutigen Rennstallbesitzer, welcher mit Marco Bezzecchi ganz vorn in der Moto3-WM um Siege und den WM-Titel mitkämpft. “Dies ist unsere Heimat. Viele Sponsoren, Unterstützer und eine große Fangemeinde. Der Sachsenring hat eine lange Tradition und hat meine Kindheit und Jugend sehr geprägt. Der Heimgrandprix war der Treffpunkt in unserem Freundeskreis, hier haben wir gefeiert, mitgefiebert und sowohl in Niederlagen als auch Siegen immer den Teams beigestanden und sie angespornt,” erinnert sich Prüstel Junior.

Auch Sirko Fröde verbrachte schon im Kindesalter seine Zeit am Ring, damals noch als die Rennen auf dem Badberg und dem neuen Kurs stattfanden. “Der Geruch der Zweitakter hat sich bis heute in meiner Erinnerung eingebrannt. Ich war als Kind immer auf dem Sachsenring und die Zeit bis zum nächsten Rennen schien mir damals unendlich lang,” so Fröde, der nicht nur als Vater eines Rensporttalents regelmäßig an den Rennstrecken mitfiebert, sondern auch als selbstständiger Handwerker um die Bedeutung des Grandprix für die Region weiß. “Viele Menschen und Gewerke identifizieren sich mit dem Grandprix. Die Veranstaltung hat zudem die größte Strahlkraft für unsere Region und letztlich hängen auch viele Arbeitskräfte daran! Die Welt schaut an diesem Wochenende auf uns!“

 “An den in den letzten Tagen dem ADAC unterbreiteten Gesprächsangeboten halten die SRM GmbH und die Sächsische Staatskanzlei trotzdem fest,” äußerte die Sachsenring Rennstrecken Managament GmbH mit Blick auf München. “Der MotoGP-Lauf ist regional als auch überregional ein herausragendes Motorsportereignis mit einer besonderen Bedeutung für sehr viele Menschen hier in Sachsen. Wir werden unsere intensiven Bemühungen fortsetzen, den MotoGP in Sachsen zu halten.”

Dass es bei dem ganzen hin und her somit nicht nur um Eintrittspreise und Gewinnmaximierung für eine Partei gehen darf, sollte damit letztlich vielleicht jedem spätestens jetzt klar sein, denn mit einem Ja oder Nein für oder gegen einen Grandprix-Lauf geht es so irgendwie auch um ein Ja oder Nein für eine Region, dessen motorsportliche Zukunft, wenn kein Grandprix mehr auf dem Sachsenring standfände und letztlich auch um ein Lebensgefühl, welches zahlreiche Sachsenring-Besucher bisher jährlich mit dem Besuch an ihrem Ring verbunden haben.

Mit diesem Protestbanner werben Sachsenring-Befürworter für ihren Ring

Sogar ein eigens kreiiertes Protest-Shirt haben Rennsportfans auf den Weg gebracht

Auch am Sachsenring selbst finden sich mittlerweile weitere Protestplakate

Text: Doreen Müller-Uhlig

Foto: Steffen Ullmann / Privatarchiv

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