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Das ist los in Übersee: Matt Barton über den Rennsport in Australien 1

Die deutschen Motorradsportmedien berichten immer mehr über nationale Serien. Die BSB beispielsweise hat sogar eine eigene Liveübertragung. Was allerdings an Rennsport auf anderen Kontinenten geboten wird, wird meist übersehen. Aus Australien etwa gibt es nur dann Schlagzeilen, wenn Casey Stoner, Jack Miller, Troy Bayliss und co Siege einfahren oder zu aktuellen Themen als Experten befragt werden. Racetrack-news möchte in einem Exklusivinterview mit dem 18-Jährigen australischen Piloten Matt Barton versuchen, etwas tiefere Einblicke in die australische Motorradrennfauna zu gewähren.



1.Was für Rennserien gibt es in Australien? Wenn man ein bisschen recherchiert stößt man auf einen Dschungel an Klassen…

Ich denke in Australien gibt es zu viele Serien und Meisterschaften. Das Ganze ist in der Tat ein Durcheinander, aber ähnlich wie in Amerika hoffentlich auf dem Weg der Besserung.

Die ASBK ist die Nationale Meisterschaft, genehmigt durch die MA (Motorcycling Australia) und gehört somit zur FIM. Es gab in den letzten Jahren Probleme mit den Promotern und nun ist die MA wieder am Ruder. Wir hoffen auf eine bessere Meisterschaft 2015. Wenn sich nichts ändert werden wir halt unseren Krempel zusammenpacken und irgendwo in Übersee fahren.

Dann gab es noch eine Serie namens Formula Xtreme/Australasian Road Race Championship, die aber nichts mit der MA/FIM zu tun haben will und keine Moto3 bzw. 125ccm vorsieht.

Wir haben dann noch die State Championships, die in der Vergangenheit eine ganze Saison gefahren sind, in diesem Jahr aber nur im November in Broadford ein One-off Meeting abhalten. Ich werde dort auch fahren und da es sich um meine Heimstrecke handelt, rechne ich mir ein extra gutes Resultat aus.

2. Kannst Du uns die Pirelli Road Championship in der Du mitfährst einmal vorstellen?

Die Pirelli Series ist eine gute Serie. Leider konnte ich wegen anderer Veranstaltungen nicht alle Rennen bestreiten. Die Serie wird vom Club “Preston MCC” aus Melbourne betreut, einem der ältesten Clubs in Australien. Die machen einen guten Job. Das Format beinhaltet ein Sprintrennen am Samstag und ein längeres “TT-“Rennen am Sonntag. Dieses Jahr gab es vier Saisonstationen auf Strecken in Victoria (Broadford), Phillip Island und South Australia (Mount Gambier). Im Grunde sind das immer sehr lustige Meetings und es fühlt sich an wie ein großes, gut organisiertes Clubtreffen.

3. Wie populär ist der Motorradrennsport in Australien? 

Schon recht populär, aber auf keinen Fall Mainstream. Die Formula extreme/Australasian road race Series hat eine TV-Berichterstattung und Webstreaming, aber die nationale Meisterschaft nicht. Das hilft natürlich nicht grade bei der Suche nach Sponsoren oder finanzieller Unterstützung. Am Ende sind wir halt doch ein riesiges Land mit wenig Einwohnern und einer winzigen Anzahl an Rennfahrern.
Wir müssen ja allein für die Rennen sehr große Distanzen reisen und es gibt kein so breites Feld an hochqualitativem Rennsport so wie in Europa. Dazu kommt, dass die Strecken nicht den
europäischen Standards entsprechen. Sie sind kurz und meistens für unsere Tourenwagen Serien designed worden.

Die MotoX hat im Vergleich zum restlichen Motorradrennsport hier einen hohen Stellenwert. Speedway hingegen ist die günstigste und einfachste Art in den Sport hinein zu gelangen. Auch Dirtrack wird immer beliebter und war es zum Beispiel in New South Wales schon immer. Mir persönlich gefällt das auch, weil man im Dirtrack gut seine Fähigkeiten für nasse Bedingungen verbessern kann.
Ich sehe den Sport in den nächsten 10 Jahren wachsen und mehr Aufmerksamkeit erlangen. Unsere Kultur ist zurzeit fixiert auf die AFL (Australian Football League), die definitiv die Medien im Griff hat. Deshalb ist es momentan schwierig, das Interesse der Leute zu erhalten.

4. Wie bist Du überhaupt zum Motorradsport gekommen?

Man könnte sagen, dass mir das Motorradfahren und der Rennsport in den Genen liegen. Mein Urgroßvater, meine beiden Großväter und auch mein Vater sind Rennen gefahren. Diese Leidenschaft ist also fast ein ganzes Jahrhundert in meiner Familie verwurzelt. Mein Großvater war Champion in Großbritannien und mein Vater fuhr ein 500ccm Sidecar als Grasstrack/Longtrack in Europa. Ich bin mit Motorrädern aufgewachsen und habe quasi alle meine Wochenenden auf Rennstrecken verbracht.

Mein erstes Bike war – wie bei vielen Kids – eine Yamaha PW50. Dann habe ich mit 10 angefangen in Gymkhana’s zu fahren, dann Junior Flat-Track und Speedway. Mit 13 bin ich zum ersten Mal Straßenrennen gefahren und dort geblieben. In meiner Familie bin ich der erste, der eine wirkliche Karriere im Straßenrennsport anstrebt.

Außerdem war ich immer in der Werkstatt mit meinem Vater und er hat mich mit ihm zusammen schon früh an meinen eigenen Maschinen schrauben lassen. Die Vorbereitung der Bikes mache ich auch jetzt hauptsächlich selbst. Mein Vater hilft mir beim Motor, da er auch immer selbst eigene Motoren gebaut hat.


Text und Interview: Dominik Lack 

Foto: Deus Images








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