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Das ist los in Übersee: Matt Barton im Interview 2

Der australische Nachwuchspilot Matt Barton hat bereits in Teil 1 unseres Interviews in unserer Übersee-Reihe seine Meinung zum Rennsport in Australien kundgegeben. Nun folgt der zweite Teil.


Wir kennen alle die Geschichte von Casey Stoner, dessen Eltern Hab und Gut verkauft haben, um ihrem Sohn die Karriere in Europa zu ermöglichen. Was braucht es Deiner Meinung nach für so einen großen Schritt? Gibt es mittlerweile spezielle Förderprogramme für talentierte Fahrer?

Casey ist sicherlich ein besonderer Fall und sein Weg ist keiner, den wir alle gehen können. Er war in einer anderen Situation, als Junior-Straßenrennen nicht in allen Staaten in Australien erlaubt waren. Das bedeutete, dass seine Familie entweder hätte umziehen oder tausende Kilometer fahren müssen, um ihren Sohn hier fahren zu lassen. Ich glaube meine Eltern haben schon so viel getan, wie Eltern nur tun können in Sachen Unterstützung, Zeit und Geld. Wenn sie aber alles verkaufen würden, hätten sie wahrscheinlich nicht ganz soviel zusammen wie Caseys Eltern mit der Farm. Ich könnte wohl nicht länger als ein Jahr in Europa und einem guten Team überstehen. Aber meine Familie war ohnehin nie in dieser Lage, weil ich nicht so gut wie Casey in seinen jungen Jahren war.

Die Frage nach der Talentförderung ist interessant. Die kurze Antwort ist leider Nein. Es ist aber dennoch ein interessantes Thema, denn Motorcycling Australia bekommt von der Regierung Zuschüsse, die dafür gedacht sind, hochkarätige Fahrer weiterzuentwickeln und sie auf eine internationale Karriere vorzubereiten. Wo das genau hinführt, weiß ich nicht so recht, denn wir haben nur das Elite riders Camp beim AIS (Australian Institute of Sport) einmal im Jahr. Die Thematik wird im Moment bei uns heiß diskutiert, weil wir kein staatlich gefördertes GP-Team oder Ähnliches besitzen. Fahrer also auf Grand Prix-Level zu bringen ist etwas hochgestochen. Ich glaube das ist der Grund, wieso Aussies so verwegen fahren, wenn sie in Übersee sind. Sie mussten einfach alles geben, um fast ohne Support so weit zu kommen. 


Du fährst die Honda NSF, die auch im nächsten Jahr bei der Moto3-IDM als Standard-Bike zum Einsatz kommen wird…

Die NSF ist ein tolles Motorrad und wenn man realistisch ist die einzige Moto3-Maschine, die sich ein Privatier wirklich leisten kann. Die Vorteile: Viele Teile können von der RS125 übernommen werden und deshalb kommt man gut an Ersatzteile. Wir fahren das Bike in einem recht einfachen Setup, abgesehen vom Akrapovic-Auspuffsystem und der Airbox, Federung und einigen Bremsmodifikationen. Der Rahmen ist sehr flexibel. Das macht es einfacher, auf kleineren Strecken wie hier in Australien zu fahren. Auf einer schnelleren Strecke wie Phillip Island kann er aber nicht mit einem FTR-Rahmen mithalten. 


Bist Du mit Deiner Saison bisher zufrieden?

Es war eine schwierige Saison, aber das ist meistens so. Ich hatte viele Ziele in der ASBK Moto3 Meisterschaft, der Malaysian Super Series und auch als Wildcard für den australischen MotoGP-Lauf. Das konnte ich nach einem schweren Crash beim ersten ASBK-Lauf vergessen, als mir beim WarmUp am Sonntag eine Bremsscheibe kaputt gegangen ist. Am Ende war mein Becken an zwei Stellen gebrochen, einige Zähne ausgeschlagen und ich hatte viele Prellungen am Rücken. Ich bin immer noch dabei, wieder komplett fit zu werden. Das hat mir so viele Pläne dieses Jahr versaut. Das Thunder-Asia Team gab mir zwar 6 Wochen nach dem Sturz die Gelegenheit in Sepang zu fahren, weil sie gehört hatten, dass mein Bike zerstört war, doch nach dem Freitagstraining musste ich einsehen, dass ich physikalisch noch nicht so weit war. Zum Glück hat das Team das verstanden. Meine Meisterschaftschancen waren dennoch dahin.

Nach weiteren 6 Wochen bin ich dann die zweite und letzte Runde der ASBK in Phillip Island gefahren und konnte gewinnen. Das war eine Genugtuung nach der harten Arbeit, die wir geleistet haben um wieder in Form zu kommen. Die Wildcard für den Grand Prix habe ich nicht bekommen, was mich sehr enttäuscht hat, da ich 3 von 4 Rennen auf der Insel dieses Jahr gewinnen konnte und nur bei dem anderen verletzt war. Der Auswahlprozess und die Kriterien sind echt lustig und hängen immer von der jeweiligen Interpretation und Laune ab. Ich wusste von Anfang an, dass es schwer wird, sich gegen Fahrer aus der CEV/ BSB oder den Red Bull Rookies durchzusetzen, die ja auch vom Phillip Island Circuit gesponsort werden. 
Remy (Gardner) und ich sind gemeinsam bei den Juniors gefahren und hatten 2012 einige tolle Kämpfe auf dieser Strecke. Ich wünsche ihm alles Gute. Mit meiner momentanen Form bin ich zufrieden und möchte das Jahr mit guten Resultaten abschließen. Ich glaube ich erwarte von mir selbst immer zuviel. Trotzdem denke ich, dass man nur dann stärker wird, wenn man die Ziele erreicht, die man sich selbst setzt.

Was machst Du abseits der Rennstrecke?

Abseits der Strecke…liebe ich Musik und spiele Gitarre zum runterkommen. In meinem Leben dreht sich so viel um Fitness und Vorbereitung. Ich trainiere mindestens 4-5 Mal die Woche im Fitness Studio oder fahre Fahrrad. Außerdem habe ich Schwimmen immer geliebt und war auch mal Champion an der Schule, wo ich immer noch ein Paar Rekorde halte. Ich kann einfach nicht anders, als mich in den meisten Sachen, die ich angehe ans Limit zu bringen. Aber es macht mir einfach Spaß. 
Wie die meisten Australier genieße ich noch das Strandleben und habe nun auch endlich ein Surfboard, dass ich dann in der Off-Season ausprobieren will. Etwas worin ich mich auch sehr gern diesen Sommer versuchen möchte, sind Triathlons. Darüber hinaus war ich diese Saison auch im Fit-Moto-Programm und habe mit Jed Metcher zusammen meine Reha gemacht.

Was sind Deine konkreten Pläne für die Zukunft?

Gibt es im Rennsport jemals etwas Konkretes? In den nächsten zwei Jahren nach Europa zu gehen ist ein Muss. Ich würde sagen ein Ziel ist eine ganze Saison in der Moto3-Weltmeisterschaft 2017. 
Ich bin in der glücklichen Situation, sowohl einen britischen, als auch einen australischen Pass zu besitzen, deshalb kann ich im Grunde überall wohnen. Für´s erste mache ich meine Techniker-Ausbildung als Maschinist bei „Albins off Road Gear“ zu Ende. Wir machen Schaltsysteme für Rennautos und R&D für alles von Formel 1 bis MotoGP. Das ist ein großartiger Arbeitsplatz, weil die Leute meine Rennleidenschaft teilen und verstehen. Ich habe dann also schon einiges an Erfahrungen und Qualifikationen in der Tasche und das bevor ich 19 bin. Das ist ein Bonus und gibt mir viele Freiheiten, im Rennsport auf verschiedene Weise tätig zu sein. 

Ich glaube auch der Asia Talent Cup ist eine gute Sache und hoffe, dort mitfahren zu können. Dafür muss ich die Selektionsfahrten in Sepang im Oktober bestehen. Das könnte dann jenes Sprungbrett nach Europa sein, wonach wir hier alle immer gesucht haben. Ziele für das nächste Jahr sind also zusammengefasst der Talent Cup und die ASBK und eventuell noch ein Paar Fahrten in Europa, falls es sich ergibt. 

Da wäre die CEV-Meisterschaft denkbar, auch wenn der Kostenaufwand im Moment zu hoch ist. Wenn ich also realistisch bin, könnte es in Europa für 2016 vielleicht in der BSB oder der IDM klappen. Da würde ich dann mein eigenes Bike verschiffen und zu den Rennen ganz Oldschool mit dem Van fahren. Ich denke das wäre ein interessantes Abenteuer für mich.


Text und Interview: Dominik Lack 

Foto: Deus Images

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