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Brünn-GP: Schrötter „Die Moto2 eine der schwersten Klassen der Welt!“

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Marcel Schrötter startete seine Karriere in der Motorradweltmeisterschaft 2008 als Wildcardfahrer. Seitdem hat der junge Deutsche viel erlebt und auch einige Teamwechsel hinter sich. Einen Podestplatz konnte der 23-Jährige in der Motorrad-WM bisher leider nicht einfahren. Mit Platz 5 in Spielberg zeigte Schrötter jedoch, dass auch er vorne mitmischen kann. Beim Grandprix in Brünn haben wir uns mit dem gebürtigen Landsberger getroffen, um ihn zu seiner Rennsportkarriere zu befragen. Herausgekommen ist dabei eines der längsten Interviews, das wir bisher geführt haben mit vielen Hintergründen, sowie offenen und ehrlichen Antworten eines jungen Rennsportlers, der nach wie vor Spass an dem hat, was er tut!

Was hat sich seit Deinem Einstieg in die Motorradweltmeisterschaft für Dich verändert?
„Ich hab weniger Zeit und mehr Stress. Nein,… also 2008 war generell erst mein zweites Jahr in der 125er Klasse eigentlich, bis vor 2007  war Ich im Juniorcup 125er auf Serienmaschinen unterwegs, wie auch in der IDM 125er. Im zweiten Jahr bin ich um den deutschen Titel mitgefahren und hatte meine ersten Wildcardeinsätze, die relativ früh kamen, aber mit relativ viel Erfolg. 2009 folgten die nächsten Wildcards und alle in den Punkten. Ich war sehr erfolgreich zu der Anfangszeit. 2010 kam ich schliesslich in die WM und seit dem lief es nicht so wie es vorher lief bzw. wie es auch erwartet war! Auch mein erstes Jahr bei SAG war keine gute Saison. Da war die Vorbereitung, das Training nicht so gut, da ich erst sehr spät wusste wie es weiter geht. Seit dem waren zwar immer mal Highlights dabei, aber generell lief es ziemlich zäh!

Aus wessen Sicht bist Du deiner Meinung nach unter den Erwartungen geblieben?
„Allgemein! Von den ganzen Leuten, die mich unterstützt haben bis hin zu den Fans, die alle meine Karriere verfolgen und von mir selbst natürlich am allermeisten. Ich habe viel mehr erwartet! Als junger Fahrer bei den ersten Wildcardeinsätzen in die Punkte, am Sachsenring im Regen in die erste Startreihe, Valencia mit Wildcard auf Platz 5,… Das waren eigentlich Ergebnisse, die man von einem Wildcard-Fahrer nicht erwartet. Seit dem ich in der WM bin, ist es nicht mehr so leicht. Es dreht sich der ganze Alltag nur noch ums Motorrad fahren und man investiert viel mehr Zeit.“

Es ging so ziemlich bergauf, bergab bei Dir. Nach einer Saison wo Du regelmässig in die Top Ten gefahren bist, folgte wieder ein wo Du es nicht geschafft hast den Anschluss zu den Spitzenfahrern zu finden. Auch in dieser Saison schwanken die Rennergebnisse sehr…
„Ich bin sehr froh dass ich in diesem Jahr in das Team gekommen bin, aber dennoch läuft es nicht so wie erwartet. Wir hatten super Tests in Valencia auch die IRTA-Tests waren okay, auch Quatar,… doch am Rennwochenende lief es schon nicht so wie bei den Tests. Wir hatten übers Wochenende immer ganz gute Ergebnisse, 7.,5. auch mal 2. Nur hatten wir immer Probleme im Qualifying und Rennen, wenn es wichtig war, das ich es einfach nicht richtig auf die Reihe gebracht habe und nie das Gefühl hatte mit dem Motorrad permanent schnell zu sein. Ich konnte nicht ans Limit gehen. Ich hab mich dann einfach nicht gut genug gefühlt. Und im Rennen 20-30 Runden auf dem Niveau zu fahren, ist schwierig, denn man will auch ankommen. Aber ich denke, dass wir da seit Mugello gute Fortschritte machen. Auch die Tests und Spielberg liefen super. Das ist eigentlich das worauf wir das ganze Jahr schon warten.“

  • Vorbereitung ist alles

    Vorbereitung ist alles

  • Gute Teamarbeit ist enorm wichtig

    Gute Teamarbeit ist enorm wichtig

  • Ein Rennsportler mit viel Mut zur Selbstkritik

    Ein Rennsportler mit viel Mut zur Selbstkritik

    Es ist wie Du schon selbst sagst, die ersten Runden bist Du gut dabei und fightest mit den Top-Piloten und dann sieht man das da ein Einbruch bei Dir da ist. Es ist aber nicht so richtig erkennbar woran es liegt. Du sagst selbst Du verlierst das Vertrauen. Was ist das für ein Moment, indem Du merkst jetzt komme ich nicht weiter. Ist das eher ein zurückstecken für Dich um die Punkte sicher mitzunehmen?
    „Am Sonntag war es auf jeden Fall so. Ich habe mich sehr gut gefühlt, aber dann als ich die Lücke zu Morbidelli schliessen konnte und ihn angreifen wollte, habe ich gemerkt, dass es sehr kritisch wird, wenn ich so rein halte. Mir ist schon paar Mal das Vorderrad eingeklappt und ich wollte unbedingt ins Ziel kommen und das gute Ergebnis nicht riskieren! Von daher waren sicher auch ein paar Runden dabei, wo ich nicht die Zeiten gefahren bin, die ich fahren konnte. Mir war es wichtig den Platz nach Hause zu fahren. Es hat schon sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

    Gibt es etwas was Dir zusätzlich mehr Vertrauen geben kann, was Dir vielleicht fehlt damit du die Konstanz mehr halten kannst?
    „Das ganze kommt vom Gefühl für das Motorrad. Ich habe nicht das Vertrauen verloren, weil ich denke ich kann es nicht besser oder die sind mir zu schnell. Der Tank wird leer, die Reifen verändern sich,… Du kannst nie ein perfektes Motorrad haben von Anfang bis Ende! Wenn Du nicht mehr sicher bist, ob dann z.B. das Vorderrad das macht, was du denkst, dann kannst du nicht mehr die 110 % fahren und das ist das, was man suchen muss um die gesamte Renndistanz zu halten. Ich denke das geht den Meisten so. Das Level ist so hoch, so eng, wenn du Zweizehntel nicht mehr finden kannst, ist man statt 5,4 auf Platz 12!!“

    In Deinen Anfängen hattest Du mehrere Personen, die Dich unterstützt haben. Dabei waren u.a. Addi Stadtler, Sepp Schlögl und Toni Mang. Was  sagen sie heute zu Deiner Entwicklung in der Motorradweltmeisterschaft?
    „Ich denke, dass sie alle mehr erwartet haben, aber zurecht! Ich habe nicht das zeigen können, was ich kann! Ich habe mit Sicherheit die meisten Jahre nie Top-Topmaterial gehabt. Das erste Jahr mit Honda war gutes Material, aber als junger Fahrer, die ersten Jahre auf neuen Strecken, da ist vieles neu und was viele vergessen: in dem Jahr gab es nur ein freies Training am Freitag, eine Stunde und das war nur eine Chance die Strecke kennen zu lernen. Zusätzlich waren da viele junge Piloten, die auf den RSA-Werksaprilias auf der Geraden einfach schneller waren. Das war für mich sehr irritierend und war ungewohnt. In meinem zweiten WM-Jahr war ich bei Mahindra, was damals ein schwieriges Bike war. Im 3. Jahr hatte ich entschieden aufzuhören, ohne zu wissen wie es weitergeht, weil es zu gefährlich war. Von dort ging es dann zu Stopandgo, zu einem Motorrad was auch keiner hatte. Erst dieses Jahr ist es der Fall, das ich ein gutes Team und Motorrad habe, wo wir richtig dran arbeiten können. In der Moto2 ist das ganze Paket, nicht nur das Können entscheidend. Es gibt viele gute Fahrer, Moto3-Weltmeister, was man nicht so wird, wie Alex und Sandro und die tun sich auch schwer in der Moto2 konstant schnell zu sein. Die Moto2 gehört mit zu den schwersten Klassen der Welt! Eine Kalex ist nicht gleich eine Kalex! Es hat zwar jeder das gleiche Motorrad aber es kommt dennoch drauf an was das Team auch daraus macht. Bei solchen kleinen Abständen ist es auch entscheidend wie gut sich das Team wirklich auskennt und was sie mit dem Motorrad anstellen.“

    Natürlich wollen Dich viele Personen im kommenden Jahr gern bei Dynavolt IntactGP als Nachfolger von Jonas Folger sehen. Ist für Dich der Rennsport noch das, was er am Anfang war? Hast Du noch die Freude dabei?
    „Auf jeden Fall! Ich kann mir eigentlich  gar nicht vorstellen ein ganz normales Leben zu führen, selbst wenn ich irgendwann mal an einen Punkt komme und meine Karriere beenden würde. Ich fahre sehr gerne Motocross, das steht nicht sehr weit unten wie Strassenrennen. Im Motocross wäre ich vielleicht nicht so weit gekommen, ich würde also sowas immer weiter machen. Ich freue mich immer wieder aufs nächste Rennwochenende oder auf einen Test. Man lebt nur noch eigentlich für den Sport, trainiert beinah täglich um besser zu werden. Und so ein Wochenende wie in Spielberg ist wie ein Schub oder ein Ansporn für mich!“

    Text: Doreen Müller

    Fotos: Marcel Schrötter

     

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