Behind the Scene: Was man im Fahrerlager erlebt

Behind the Scene: Zu den Eindrücken vom Fahrerlager gehören selbstverständlich auch unsere lieben Grid Girls.

Knapp 200.000 Besucher machten das vergangenen MotoGP-Wochenende wieder zu einem absoluten Spektakel. Wie auch in den Jahren zuvor herrschte rund um den Ankerberg ausgelassene Stimmung, MotoGP-Fieber und reges Treiben – eben so wie man es seit jeher kennt und lieben gelernt hat. Wie es jedoch hinter den Absperrungen in den Fahrerlagern zu geht, bleibt den meisten Fans allerdings verborgen. Wir haben uns für euch ein bisschen umgesehen und unsere Eindrücke und Erlebnisse zusammengefasst.

Jan Stecker hat Rücken und Sandro Cortese ist glücklich

Tatsächlich bekommt man im Fahrerlager die Chance, den ein oder anderen Fahrer oder bekannte Gesicht zu sehen. So auch beim Schlendern durch das Fahrerlager 2, wo sich die Hospitalities der Teams und sogar mancher Piloten befinden. Zwischen Treiben und Trubel kreuzen gelegentlich ein Iannone oder Marc Marquez mit ihren Scootern den eigenen Weg, und vereinzelt auch TV-Moderatoren wie Alex Hofmann und Jan Stecker – letzterer hat an diesem Wochenende offensichtlich Probleme mit dem Rücken wie man auf seinem Weg ins KTM-Haus beobachten kann.

Ein Besuch in der Intact GP-Box.

Beim Besuch in der Intact GP-Box grüßt ein gut gelaunter Sandro Cortese und staubt sich einen Kaffee beim Team ab. Beim kurzen Smalltalk erfährt man, dass er mehr als zufrieden mit seiner Entscheidung ist zur Supersport-WM übergewechselt zu haben und dass auch er zur Rossi-Anhängerschafft gehört und dem 39-Jährigen für den zehnten Titel alle Daumen drückt.

Maverick hat den Größten, Marquez den Längsten

Valentino Rossi verlässt auf dem Scooter seinen Wohntruck.                                 Foto: Lutz Gerber

Etwas seitlich des Fahrerlager 2 stehen die Wohnwagen der Großen. Natürlich haben diese Wohnwagen ganz andere Dimensionen wie man sie bei uns auf der Straße fahren sieht. Ordentlich hinter- und nebeneinandergestellt, schlummern hier wohl Vinales, Rossi, die Marquez Brüder, Dovizioso und Iannone. Was auffällt: Maverick Vinales hat den Größten bzw. Höchsten.

In der Hoffnung den ein oder anderen Fahrer hier zu sichten, findet sich vor der kleinen Absperrung und der Security dementsprechend auch immer eine, wenn auch kleine, Traube an Fans. Früher oder später passiert es dann auch, dass Iannone, einer der Marquez Brüder oder auch Rossi ihr „Häuschen“ verlassen oder auf ihren Scootern angefahren kommen. Nicht immer aber häufig wird dann auch an der Absperrung angehalten, um noch eben die Fans mit Selfies und Autogrammen glücklich zu machen. Die Menge ist überschaubar.

Eine Fantraube wartet vor den Mechaniktrucks von Yamaha auf Rossi und Vinales.

Ganz anders verhält es sich hingegen vor den Boxen im Fahrerlager 1, wo die Anzahl an Fans nicht mehr träubchenweise, sondern in Wassermelonengröße vor den Mechanikertrucks auf ihre Idole warten – insbesondere vor Yamaha. Und auch hier nehmen sich die Fahrer stets etwas Zeit, um unter Gedränge und Rufen von allen Seiten einigen ihrer Fans gerecht zu werden.

Marc Marquez gab noch zwei Stunden nach seinem GP-Sieg in seiner Lederkombi Autogramme.

Alle zufriedenzustellen ist allerdings schier unmöglich. Beim Beobachten eines solchen Spektakels fiel auf, dass es sich ähnlich wie bei einem Schneeballsystem verhält: Ist ein Autogramm erst geschrieben, kommen zwei weitere, die ebenfalls eins wollen. Bestes Beispiel war am Sonntag Marc Marquez, der wohl den längsten Atem von allen bewies. Selbst zwei Stunden nach dem Rennen steckte der kleine Spanier noch immer in seiner Lederkombi und war bemüht mit Autogrammen und Selfies seine Fans glücklich zu machen.

 

30 Minuten an einem Fleck

Erstaunlich ist auch, wie viele Leute tatsächlich Zugang ins Fahrerlager haben. Zu bestimmten Peakzeiten war der ca. 300 Meter lange Gang durch das Fahrerlager von permanentem Ausweichen vor Besuchern, Grid Girls und den dazwischen herfahrenden Scootern und Fahrrädern geprägt. Wer hier einmal auf 50ccm unfallfrei unterwegs war, hat damit definitiv sein fahrerisches Können bewiesen.

Besonders interessant wurde es bei meinem 30-Minuten-Projekt, das beinhaltete, einfach eine halbe Stunde lang an einem Fleck zu stehen und das Treiben zu beobachten. Ist man nicht schon vorher einigen Fahrern begegnet, gelingt es einem spätestens dann. Während des Moto3 Rennens stand ich am Ausgang des Fahrerlagers 1 und sah Jorge Lorenzo, Bradley Smith, Hafizh Syahrin und Franco Morbidelli auf Scootern an mir vorbeifahren, Jack Miller auf dem Mountainbike, die Anlieferung gecrashter Moto3-Bikes von Nakarin Atiratphuvapat und Vincente Perez sowie die körperlose Hülle von Moto2-Pilot Mattia Pasini (Paso) – womöglich auf dem Weg zum Schneiderspezialisten aller Lederkombis, dem auch Rossi und Co. ihre Kluften anvertrauen.

In der Reihenfolge: Franco Morbidelli, Bradley Smith, Jack Miller, Jorge Lorenzo,  Hafizh Syahrin und dazwischen die Lederkombi von Mattia Pasini auf dem Weg zum Schneiderspezialisten. 

  • Franco Morbidelli

    Franco Morbidelli

  • Bradley Smith

    Bradley Smith

  • Jack Miller

    Jack Miller

  • Die Lederkombi von Mattia Pasini

    Die Lederkombi von Mattia Pasini

  • Jorge Lorenzo

    Jorge Lorenzo

  • Hafizh Syahrin und seine Freundin

    Hafizh Syahrin und seine Freundin

  • Eine alte Rossi-Kombi am Dainese-Service-Truck

    Eine alte Rossi-Kombi am Dainese-Service-Truck

  • Zwei Lederkombi-Generationen bei Dainese

    Zwei Lederkombi-Generationen bei Dainese

     

    Der Michelin Reifenstand im Fahrerlager.

    Dank des französichen Reifenherstellers Michelin Motorsports, der speziell für die MotGP am Sachsenring gesonderte Reifen entwickelt hat, war am Freitag ein Boxenbesuch bei Yamaha und Repsol Honda eingeplant. Das Sahnehäubchen dieses Wochenendes, das man beim Anblick der beiden Boxen ohne Bedenken vom Teppichboden hätte auflecken können.  Sauberkeit wohin man auch sah, alles glänzte und lag an Ort und Stelle und dementsprechend wie aus dem Ei gepellt präsentierten sich auch die MotoGP-Bikes. Im Vergleicht zur Intact-Box fiel vor allem die Größe auf. Während sich das Moto2-Team mit zwei Motorrädern auf einer Fläche von schätzungsweise 25 Quadratmetern bewegte, hatten Yamaha und Repsol in etwa das Vierfache an Raum zur Verfügung. Dementsprechend aufwändig ist auch der Aufbau der Box: Ganze sechs Stunden dauert das Aufstellen der Wände und Einrichten der Boxen. Drei Stunden hingegen nur für den Abbau, verriet uns die Pressesprecherin des Yamaha Racing Teams.

     

    Boxenbesuch bei Yamaha und Honda


    Gucken erlaubt, anfassen jedoch verboten, so lautete das Credo in beiden Boxen. Während uns in der Yamaha-Box gestattet wurde Fotos von der Box und allen vier Bikes von Rossi und Vinales zu schießen, vom Filmen jedoch abzusehen sei, wurde bei Repsol beides nicht gern gesehen.

    Auch wenn es theoretisch nur ein zusammengeschraubter „Haufen“ an Material ist, war die Ausstrahlung und Präsenz dieser MotoGP-Bikes schlichtweg gewaltig. Wie millionenschwere Rennsportpferde standen sie in ihrem Stall, Hufe scharrend und ungeduldig darauf wartend, dass sich das Boxentor öffnet und es wieder raus geht. Seelenruhig waren hingegen in beiden Boxen die Mechaniker, die entspannt an ihren Arbeitsplätzen saßen und womöglich Analyse betrieben.

     

    Abendlicher Ausklang

    Geht man abends durchs Fahrerlager, wenn die meisten Besucher bereits den Heimweg angetreten haben, kommt zwischen Paella-Duft und Benzingeruch ein bisschen das Fiesta-Feeling auf. Zwischen den Hospitalities treffen sich die vielen Mitarbeiter der Teams zum ausgelassenen und regen Austausch in allen Sprachen. Einen Scott Redding sieht man am Stand von Aprilia zusammen mit Teammitglieder, Freunden

    Abends wird der Sachsenring für einen Spaziergang oder sportliche Aktivitäten freigegeben.

    oder Bekannten ein Eis essen. Das ein oder andere Grid Girl bereitet sich in den Sanitäranlagen vorm Spiegel noch auf den Abend vor. Und manch anderer sucht seinen Ausgleich beim Sporten auf der Rennstrecke, die zum Abend hin für eine gewisse Zeit zugänglich ist. Es ist eine friedliche Atmosphäre, die durch den Asphalt der Strecke zu Tage gefördert wird. Warm, weitläufig, wirkmächtig. Es fühlt sich ein bisschen an, wie die Ruhe vor dem Sturm.

     

     

     

     

     

     

     

    Text: Rowena Hinzmann
    Fotos: Rowena Hinzmann, Lutz Gerber

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