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Background: „Der Riding Coach, dem die Nachwuchsfahrer vertrauen“

Dario Giuseppetti ist der Riding Coach, dem Profi-Rennsportler, wie auch Hobbyrennfahrer auf der Strecke vertrauen. Doch nicht nur die erfahrenen Piloten bauen auf seine Ratschläge, auch die Nachwuchsfahrer des ADAC Junior Cup powered by KTM lauschen ganz gespannt, wenn der ehemalige IDM-Pilot von seinen Erfahrungen berichtet oder praktische Hinweise zum Fahrstil erteilt. Seit mehr als fünf Jahren ist Giuseppetti somit in der deutschen Nachwuchsserie dabei und kümmert sich in dieser Saison noch intensiver um die jungen Talente und ihre Eltern.

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Der gebürtige Berliner begann seine Laufbahn 1998 beim Motocross. Bereits im Alter von fünf Jahren fuhr Giuseppetti sein erstes Rennen und fand 2000 den Weg zum Straßenrennsport. Ein Jahr später holte sich das damalige Nachwuchstalent im ADAC Junior Cup den Sieg. 2002 wechselte Giuseppetti schließlich in die 125-ccm-Klasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft und erlangte dort auf Anhieb den Vizemeister. Von da an ging es stetig bergauf – Erfolge in der 125er-Europameisterschaft, die Teilnahme in der Motorrad-WM, Siege in der Superbike IDM und Achtungserfolge in der Superbike Weltmeisterschaft.

Giuseppetti galt als „das“ Talent in der deutschen Nachwuchsszene. Doch auch weniger erfolgreiche Zeiten gehörten zur Laufbahn des damaligen Ducati-Piloten dazu. „In meiner Laufbahn habe ich viele Probleme mit ehemaligen Teams gehabt und musste u.a. verschiedenste Ausfälle aus technischer Seite hinnehmen. Es war eine schwierige Zeit, denn ich habe lange versucht an meinem Traum festzuhalten, noch einmal in die WSBK aufzusteigen, “ erinnert sich der ehemalige Deutsche Meister.

„Heute denke ich, hätte ich damals Jemanden gehabt, der sich in diesem Metier auskennt, selbst wenn es ein Ex-Rennfahrer gewesen wäre, der dir den Druck wegnimmt, sich etwas um die PR kümmert und dir den Weg etwas ebnet und dich im Kopf frei macht, wäre es anders gelaufen. Als Rennsportler bist du ständig unterwegs und hast viele Termine, bist permanent im Stress und in gewissermaßen eine Werbefigur. An dem Punkt geht Dir viel verloren.“

  • Streckenrundgang mit dem Nachwuchs

    Streckenrundgang mit dem Nachwuchs

  • ...zum Einführungslehrgang

    ...zum Einführungslehrgang

  • ...in Misano

    ...in Misano

    Das eigentliche Aus kam letztlich bei einem schweren Testunfall 2013 in Almeria, bei dem sich der Deutsche mit der „Berliner Schnauze“ vier Wirbel brach und anschließend fünf Monate pausieren musste. Der Entschluss den Rennsport ganz an den Nagel zu hängen und sich künftig nur noch um organisatorische Sachen und Rennfahrer-Coaching zu kümmern, war für Giuseppetti eine logische Schlussfolgerung aus dieser Zeit nach dem Unfall.

    „Es gibt viele Fahrer, die die Fehler auch heute noch machen und dort wirst Du ganz schnell uninteressant. In der WM geht es zwar in erster Linie um den Rennsport, aber es ist immer ein Business und das ist vielen nicht klar. Sie werden nicht genügend vorbereitet und dort gibt es eine große Lücke! Das ist etwas, was ich in meiner Arbeit ändern möchte, für die Kids, die ambitioniert sind, ein Talent haben und auch weiter kommen wollen,“ erklärt der heute 32-Jährige seine Entscheidung, neben dem Coaching  bei Hafeneger-Renntrainings vor allem dem Nachwuchs im Junior Cup beiseite zu stehen.

    Giuseppettis Einstieg selbst erfolgte über den Einführungslehrgang des  Allgemeinen Deutschen Automobilclubs für den ADAC Junior Cup, der damals wie heute versucht Nachwuchstalenten den Weg in Deutschland zu ebnen. „Vom Grundprinzip ist die Idee hinter dem Junior Cup bis heute immer gleich geblieben“, blickt auf seine ersten Anfänge zurück. „Auch bei mir war dies bereits gut organisiert gewesen, auch wenn es andere Zeiten waren, die Motorräder noch anders waren. Wir fuhren 125er Zweitakter, es war eine andere Ära. Im ersten Jahr sah ich als Anfänger nicht anders aus und habe mich am Anfang oft schwer getan, bin viel gestürzt gewesen. Nachdem ich aber angefangen habe intensiv an mir zu arbeiten, wurde dies auch belohnt,“ erinnerte sich der ehemalige Stiftungs-Pilot und weiß um die Vorzüge, die die Unterstützung des ADAC mit sich bringt, egal ob von sportlicher Sicht oder beim Thema Medienschulung.

    „Für mich ist es wichtig, dass man besonders im deutschen Rennsport wieder etwas mehr macht und man so den Fahrern unter die Arme greift. Ich denke, dass wir viele Talente haben und wir viele rennsportbegeisterte Menschen in Deutschland haben. Es wird uns allerdings ziemlich schwer gemacht diesen Schritt dahin zu wagen. Da ist so was wie der ADAC Junior Cup powered by KTM eine gute Möglichkeit für relativ kleines Geld Motorsport zu betreiben. Ja, Motorrad fahren kostet Geld, da machen wir uns nichts vor, aber du bekommst eine gut organisierte Meisterschaft, gutes Material, ein professionelles Team, die Erfahrungen haben was sich in der Rennsportszene gehört und was nicht. Für die Grundlage ist das super und für ein zwei Jahre ist das als Einstieg gut.“

    • Raus auf die Strecke - als Instruktor

      Raus auf die Strecke - als Instruktor

    • Unterstützung erfolgt von Luca Grünwald und Kevin Orgis

      Unterstützung erfolgt von Luca Grünwald und Kevin Orgis

    • Gemeinsame Auswertungen gehören immer dazu!

      Gemeinsame Auswertungen gehören immer dazu!

    • Die richtige Haltung ist wichtig!

      Die richtige Haltung ist wichtig!

    • Aber auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen!

      Aber auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen!

      Besonders die Arbeit mit den Nachwuchspiloten scheint Giuseppetti besonders viel Freude zu bereiten, wie der diesjährige mehrtägige Lehrgang im italienischen Misano zeigte. „Mir macht die Arbeit mit den Kids mehr Spaß als mit Erwachsenen. Ich arbeite sehr gerne mit Fahrern zusammen, die ambitioniert sind und die Sache ernst nehmen, weil ich die Sache auch sehr ernst angehe, selbst wenn jemand ein Hobbyfahrer ist. Ich kann mich konzentrierter um ein paar Fahrer kümmern, wo wir denken, dass diese Fahrer unterstützt werden müssen und wir können von vornherein gleich ganz andere Wege beschreiten. Es ist wichtig die Nachwuchsfahrer von Anfang bis Ende begleiten zu können, “ so Giuseppetti und blickt noch einmal an die schwierigen Momente in seiner Superbike-Karriere zurück.

      „Ich wurde irgendwann alleine gelassen und hatte dann kein Management mehr dahinter. Mein Vater kam selbst nicht aus dem Rennsport und hatte folglich keine Ahnung. Man läuft somit natürlich oft in eine Falle rein auch wenn man versucht das Beste zu erreichen. In diesem Business kümmert man sich oft mehr um den Geldbeutel als um den Fahrer, das ist mir selbst oft passiert und mir ist es wichtig den Kids zu helfen, solche Fehler eben nicht zu machen.“

      Was es braucht um als Nachwuchs bis in die WM zu kommen, auch davon kann Dario Giuseppetti nicht nur aus Sicht eines Profi-Rennfahrers berichten, sondern auch als ehemalige administrative Größe in verschiedenen Teams der spanischen Meisterschaft.  „Vielen ist gar nicht bewusst, was sie in der WM erwartet“, so die eigentliche Frohnatur weiter und findet für den Nachwuchs klare Worte: „Es geht nicht mehr nur ums Motorrad fahren. Du musst ein komplettes Paket bilden, dazu gehört Medienpräsenz, eine gute Darstellung, ein gutes Team, gute Mechaniker. Das ist alles nicht mit nur trainieren und schnell Motorrad fahren erreicht und dies ist der Punkt, an dem viele, die dies nicht wissen, scheitern, weil es ihnen keiner am Anfang erzählt hat. In der WM werden dir Fehler so gut wie gar nicht verziehen und man muss bereit sein, seine Leistungen voll abrufen zu können, was wiederum viel mit dem Umfeld zu tun hat, mit der Vorbereitung wie man auf den Fahrer eingeht.“

      Dass Rennsportler in Deutschland es nach wie vor nicht gerade einfach haben ihren Weg zu finden, weiß Giuseppetti. „Unser Problem in Deutschland ist, dass wir für den Motorradrennsport nicht so eine Medienpräsenz haben. Aber das läuft dadurch, dass die Leute nicht ihren Job so machen wie sie ihn machen sollten, sondern Infos einfach rausgeben ohne dies zu filtern. Es ist einfach zu sagen, das Kind ist in den Brunnen gefallen, man muss jedoch versuchen es besser nach außen zu tragen.“

      Text und Fotos: Doreen Müller

      Diesen Beitrag findet Ihr auch in der Printausgabe der CIRCUIT vom 2.2017

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