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Alpe Adria Road Racing: Exklusivinterview mit Daniela Weingartner

      Daniela Weingartner ist eine junge Rennfahrerin aus München. Sie wird an diesem Wochenende zum ersten mal an einem IDM Rennen auf dem Hockenheimring teilnehmen und verriet im Interview mit Racetrack News so manch interessante Story über ihren Werdegang. Aber vor allem ist der Enthusiasmus den sie für den Sport aufbringt förmlich zu spüren beim Lesen. Schaut doch mal selbst!      

1.   Wie kamst du zu der Leidenschaft „Motorrad“ und zusätzlich zum Rennen fahren?
      Ich hatte schon immer Benzin im Blut und war fasziniert von Supersportlern und insbesondere dem Rennsport. Bei aufheulenden Motoren und quietschenden Reifen bekam ich eine Gänsehaut. Motorräder sind für mich der Inbegriff von Abenteuer. In meiner Familie waren mehr die unmotorisierten Pferdestärken gefragt, weshalb ich auch aufgrund Finanzierung des Abiturs und Studiums erst sehr spät meiner Leidenschaft nachgehen konnte. Eines Tages im beginnenden Winter, beschloss ich ganz impulsiv, dass ich mir jetzt ein Motorrad kaufen muss. Drei Tage später hatte ich mein erstes Motorrad, eine Yamaha R1! Genau das Motorrad, welches ich mit 16 Jahren auf einem Parkplatz schon gesehen hatte und in welches ich mich auf den ersten Blick verliebte. Im nachhinein betrachtet, war die Ur-R1, nicht die beste Wahl für ein Anfängermotorrad. Ich denke, ab diesem Zeitpunkt hat mich nicht nur meine Familie für ein bisschen verrückt gehalten. Ich war jedoch von nichts abzubringen, weshalb ich schließlich innerhalb von drei Wochen auf der R1 meinen Führerschein machte und schon bald meine ersten Runden am Kesselberg drehen konnte (Der Kesselberg ist eine ehemals berüchtigte Bergrennstrecke in der Nähe von München). Schnell war der Plan gefasst, dass ich unbedingt auf die Rennstrecke musste. Schon nach zwei Wochen konnte ich HangOff und durchzirkelte knieschleifend die Kurven, bis ich es schon in darauffolgender Woche mit dem Knieschleifen übertrieb und meinen Debut-Highsider am Kesselberg vollbrachte. Nichtsdestotrotz lies ich mich nicht von meinem Rennstreckenplan abbringen und die R1 wurde innerhalb einer Woche wieder zusammen geschraubt, um sie sogleich Richtung Pannoniaring zu bringen. Dort wurde ich endgültig infiziert. Es war als würde man die Tür zu einer neuen Welt öffnen und könnte daraufhin nicht wieder zurück, wenn man einmal erblickt hat, welche Dimensionen es abseits der Landstraße zu entdecken gibt. Ab diesem Zeitpunkt zählte für mich nur noch die Rennstrecke. 

2.   Welches war dein allererstes Motorrad, dass du privat gefahren bist und was fährst du heute für eines?
      Mein erstes Motorrad war die 99ger Yamaha R1. Wir trennten uns nach einem Jahr und ich stieg anschließend in die 600er Klasse ein und kaufte mir eine Yamaha R6 aus dem Jahre 2006. Mittlerweile fahre ich die R6 in der dritten Generation und bin nach wie vor sehr zufrieden mit dem kleinen tapferen Japaner. 

3.   In welchen Klassen bist du bislang gefahren und welche Erfahrungen konntest du dort machen?
      Viele Jahre bin ich bei Hobbyveranstaltungen gefahren. Man muss dazu sagen, dass ich zu Beginn meiner Rennkarriere wirklich langsam war. Das erste Mal in Brünn habe ich mich mit einer Rundenzeit von 2:37 zufrieden geben müssen, während ich mittlerweile eine 2:11 in den Asphalt brennen kann. Es war stetig ein harter Kampf mit vielen Rückschlägen, allerdings auch mit vielen unvergesslich schönen Momenten. Im letzten Jahr durfte ich die Oldtimerszene kennenlernen und erhielt die große Ehre beim Goodwood Revival zu starten. Die Faszination an Oldtimern konnte mich einfangen, denn jedes dieser Motorräder hat eine eigene Seele und die Menschen sind unvergleichliche Originale. 2015 wagte ich meine erste Saison in einer offiziellen Lizenzveranstaltung. Das Jahr in der FIM Alpe Adria Road Racing Championship war für mich ein unvergessliches Erlebnis, in welcher ich mehr gelernt habe, als all die Jahre zuvor. Ich hätte diesen Schritt schon viel früher wagen sollen.
     
   4.       Was reizt dich am Rennen fahren?
      Die Faszination im Rennsport ist für mich dieser schmale Grat zwischen gewinnen und verlieren. Man bewegt sich am äußersten Rand der physikalischen Gesetze. Gerade geht es noch gut und man kann es kaum fassen, dieses Anbremsmanöver aus 270 km/h heil überstanden zu haben, während man wenige Meter später schon durch die Luft fliegt. Es ist die unnachahmbare Kombination aus harter Arbeit, Leistungssport, Gehirnarbeit, Reflexe, Talent, technisches Verständnis und einfach nur Glück, welches einem keine andere Sportart bieten kann. Man geht fast jeden Tag über seine Grenzen hinaus. Die Rennstrecke hat mich bereits viel über das Leben gelehrt. Sie gibt mir die Stärke und den Kämpfergeist, welchen ich auch im normalen Leben brauche. Desweiteren ist die Community auf der Rennstrecke eine liebenswerte große Familie, welche alle einen kleinen Knall haben. Mein gesamter Freundeskreis besteht mittlerweile aus Rennfahrern.
5.   Ist es für dich als Frau schwieriger sich durchzusetzen im Rennsport oder gibt es ab und an auch mal einen „Frauenbonus“ auf der Rennstrecke?
      Als Frau merke ich oft, dass mir von vornherein fehlendes technisches Verständnis unterstellt wird, obwohl ich z.B. mein Motorrad komplett zerlegen und wieder zusammenbauen kann und ich auch selbst meine Reifen auf die Felge aufziehe. Ich habe mich viel mit den technischen Gegebenheiten beschäftigt und kenne deshalb jede Schraube und Einstellung meines Motorrades. Das ist für viele Männer ungewohnt. Meist hat man als Frau solange kein Problem, solange man noch langsamer als die Männer ist. Leider hört es bei vielen Männern mit der Gleichberechtigung bei den Rundenzeiten auf. Ich kann an mehr als einer Hand abzählen, wie oft ich schon von Männern abgeräumt wurde, nur weil deren männlicher Stolz nicht ertragen konnte, dass ich schneller war. Es sind Gott sei Dank nicht alle so und ich muss sagen, dass sich das Bild immer mehr zum Positiven wandelt. Allerdings muss ich auch den Veranstaltern danken, welche viel für die Frauen im Motorsport tun und einen Ladysrabatt für Frauen einräumen. Ein Vorreiter hierfür war sicherlich Jura Racing, wodurch mir früh die Möglichkeit gegeben wurde, mich durch Trainings weiterzuentwickeln.


6.   Die Saison beim Alpe Adria Road Racing neigt sich dem Ende. Was ist für das nächste Jahr geplant und wie sieht dein Winterprogramm aus?
      In der Saison 2016 möchte ich auf jeden Fall wieder in der Stock600 in der FIM Alpe Adria Road Racing Championship fahren. Natürlich peile ich einen besseren Platz in der Gesamtwertung an als ich im Jahr 2015 erreichen konnte. Desweiteren würde ich gerne ein paar Langstreckenrennen bestreiten und ich liebäugle sehr stark mit der Isle of Man. Im Winter erhalten ich und meine R6 ein Abspeckprogramm. Wir haben den Deal, dass jedes Kilogramm, welches die R6 abnimmt, ich ebenfalls abnehme (lacht). Zusätzlich werde ich über den Winter in Spanien trainieren und meine R6 bekommt ein Winterquartier in der Sonne, so dass ich für den Beginn der Saison 2016 trainiert bin. Sportlich bin ich immer noch auf der Suche nach meinem Substitutionssport für die kalte Jahreszeit, bin allerdings noch nicht gänzlich fündig geworden.


7.   Um auf den Rennstrecken gegen die anderen Piloten gegenhalten zu können, muss man körperlich sehr fit sein. Woraus besteht dein Wochenplan bzw. Fitnessprogramm?
      Mein Wochenplan bzw. Fitnessprogramm besteht hauptsächlich darin, einfach nur viel  Motorrad zu fahren (lacht). Dafür musste ich mir zwar schon viel Kritik anhören, aber für mich funktioniert es. Ich versuche nie lange Zeiträume zwischen den Trainings verstreichen zu lassen, um meine Kondition nicht zu verlieren. Grundsätzlich ist das Rennen fahren Leistungssport und meine Philosophie ist, dass man am besten für den Rennsport trainiert indem man Rennsport macht. Langstreckenrennen eignen sich hervorragend um sich an seine eigenen Grenzen zu bringen.


8.   Wer gehört alles zu deinem Team, wenn du an die Rennstrecke fährst?
      Mein Team besteht lediglich aus mir. Ich bin Fahrer, Mechaniker, Lackierer, Koch, Sponsor, Mentor und Manager in Personalunion. Manchmal unterstützt mich noch mein Hund Tinka als Teammaskottchen (lacht). Natürlich ist es anstrengend alles alleine zu machen, aber ich weiß wofür ich es mache und dafür lohnt es sich. Ich empfinde eigentlich alles um die Rennstrecke herum als wesentlich anstrengender, wie das Fahren an sich. Aber dies alles selbst leisten zu können, zeigt mir, dass ich alles erreichen kann.
       

9.   Wenn du dich nicht mit Motorrädern beschäftigst, was sind sonst deine Hobbys und Interessen?
      Neben Motorrädern und der Rennstrecke bleibt meist nicht viel Zeit, die ich jedoch auch zu nutzen weiß. Natürlich gilt mein vordergründiges Interesse meinem Hund Tinka, welche nun schon seit 10 Jahren mein Leben begleitet. Ich liebe Tiere. Ohne sie würde mir viel fehlen. Das Fotografieren betreibe ich sehr gerne, um meine künstlerische Ader zu befriedigen. In mir wohnt ein kleiner Abenteurer, der gerne reist und die Welt erobert. So war ich letztes Jahr Backpacking in Südamerika und werde dieses Jahr in Südafrika unterwegs sein. Mich fasziniert es, wie die Welt außerhalb Europas aussieht und wie die Leute dort leben.  Außerdem liebäugle ich noch mit einer Weltreise auf dem Motorrad. Ich liebe gute Literatur und kann Bücher von Hermann Hesse oder Günther Grass regelrecht verschlingen. Außerdem bin ich ein kleiner Nerd und verbringe den einen oder anderen Abend zockend vorm PC. Irgendwie bin ich ein Paradoxon.


10. Guckst du Motorradrennen im Fernsehen?   
      Immer wenn ich kann, schaue ich die MotoGP, WorldSBK oder die BSB. Leider wird dem Sport in Deutschland viel weniger Aufmerksamkeit zu Teil, als die Fahrer verdient haben. Ich fiebere jedoch jedes Mal mit.

11.Hast du ein Vorbild?
      Mein fahrerisches Vorbild ist Rossi. Ich bewundere Rossi für seine Leidenschaft und sein Kämpferherz. Ich bewundere, dass er nach so vielen Jahren immer noch aus Spaß Motorrad fährt. Auf persönlicher Ebene ist mein Vorbild ganz klar Guy Martin. Er ist sich selbst immer treu geblieben, authentisch und lässt sich von niemandem in eine Richtung drängen. Er ist mein Lichtblick in einer Welt, in welcher immer mehr Show als Authentizität zählt. 


12. Wir haben auf unserer Homepage u.a. viele Besucher die Hobbyrennfahrer sind, aber auch welche die erst noch mal auf einer Rennstrecke fahren möchten. Was kannst du ihnen mit auf den Weg geben, was sie dabei beachten sollten?
      Vordergründig würde ich raten, dass ihr für einen rasanten Fahrstil lieber die Rennstrecke statt der Landstraße nutzt. Als Rennstreckenbasis ist ein technisch einwandfrei funktionierendes Motorrad mit gut eingestelltem Fahrwerk und vernünftigen Reifen unabdingbar. Bitte lasst euch nicht von dem Irrglauben leiten, abgefahrene Straßenreifen und ein minderpreisiges „Schrott“-Motorrad wäre für die Rennstrecke optimal. Als fahrerischen Ratschlag für schnellere Rundenzeiten, müsst ihr euch von dem klassischen Fahrstil auf der Straße lösen. Auf der Rennstrecke schnell fahren bedeutet, aus den Kurven möglichst Geraden zu machen. Viele Anfänger bremsen zu stark und heftig und nehmen sich den kompletten Kurvenspeed. Bremst lieber früher und dafür nicht so fest und versucht bis in die Kurve hinein zu bremsen.  Ich kann nur raten, die ersten Runden auf einer Rennstrecke mit einem Instruktor zu absolvieren. Dieser kann euch die Linien zeigen und euch weitere hilfreiche Tipps geben.
      Wenn ihr mehr über Daniela Weingartner erfahren oder sie unterstützen wollt, dann schaut einfach mal auf ihrer Homepage HIER vorbei! 

                 Daniela Weingartner

    Fotos: Daniela Weingartner
         Dominik Lack    
             

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